Posted by: Founder | November 22, 2007

Germany: art - Mit schönen Grüßen von Apoll

Excerpt of art - Das Kunstmagazin - Nr. 8/2004 (Germany)

art - Das KunstmagazinAUSSTELLUNGEN IM AUGUST / ATHEN: “ARTIADE” UND “MONUMENT TO NOW” / In Athen locken diesen Sommer nicht nur die Olympischen Spiele, sondern auch zwei große Ausstellungen: Die “Artiade” zeigt den kulturellen Hintergrund der Sportlernationen, “Monument to Now” gibt einen Überblick über die aktuelle Kunst

Kunstausstellungen begleiten in den letzten Jahren ja gerne wieder die Olympischen Spiele: Da sucht dann ein durchaus bemühter Kurator Gemälde und Skulpturen zusammen, die sich irgendwie mit dem Thema Sport beschäftigen. Erkenntnis gewinnt man daraus kaum, außer dass eben auch Fußbälle und Ringkämpfer hin und wieder auf Gemälden auftauchen. In Athen ist das diesen Sommer anders: Hier locken tatsächlich zwei spannende Ausstellungen.

“Monument to Now” ist ein Rundumschlag der zeitgenössischen Kunst. Quasi als Pendant zu den besten Sportlern gibt es einen Großteil der derzeitigen Spitzenkünstler zu sehen: Franz Ackermann, Matthew Barney, Vanessa Beecroft, Maurizio Cattelan, Olafur Eliasson, Peter Fischli & David Weiss, Gilbert & George, Andreas Gursky, Jeff Koons, Takashi Murakami, Shirin Neshat, Pipilotti Rist, Gregor Schneider, Wolfgang Tillmans und, und, und.

All deren Fotografien, Installationen, Gemälde und Skulpturen gehören dem aktivsten Sammler Griechenlands und einem der bedeutendsten weltweit: Dakis Joannou, geboren auf Zypern, aufgewachsen in Athen. Der Mann ist Bauingenieur, Architekt und Großinvestor gleichzeitig. 1983 gründete er die Deste Foundation, eine gemeinnützige Stiftung, die zahlreiche ambitionierte Ausstellungen und Symposien veranstaltet - vergleichbar mit der Pariser Cartier Foundation oder der Fondazione Prada in Mailand. Deste - was übersetzt “Sehen” bedeutet - betreibt ein 350 Quadratmeter großes Ausstellungsgebäude im Athener Geschäftsviertel Neo Psychico. Eine der bekanntesten Ausstellungen war 1996 die Schau “Everything That’s Interesting is New” mit über 200 Werken unter anderen von Martin Kippenberger und Rosemarie Trockel. Dakis Joannou pflegt dabei engen Kontakt zu Künstlern, lädt sie in seine Häuser oder auf seine Yacht ein - die “Protect me from what I want” heißt, schütze mich vor dem, was ich will. Der Name ist ein Zitat der amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer.

Bislang galt die Foundation noch als Geheimtipp unter Kunstkennern, nach den Olympischen Spielen dürfte sich das ändern. “Monument to now” ist Teil des offiziellen Kulturprogramms der Olympischen Spiele und will globale Trends in der zeitgenössischen Kunst zeigen: das Revival der figurativen Malerei und Bildhauerei sowie die Verbindung von Kunst und Massenmedien. Organisiert wird die Schau unter anderen von Dan Cameron, Kurator der Istanbul-Biennale 2003, Alison M. Gingeras vom Centre Pompidou und Nancy Spector vom Guggenheim Museum.

Die zweite Ausstellung versucht sich noch mehr am olympischen Gedanken: Künstler aus allen Teilnehmerländern der Sportolympiade durften sich für die “Artiade” bewerben. Eine Jury wählte daraus rund 180 Künstler aus rund 80 Nationen. Zum ersten Mal fand die Artiade in Atlanta 1996 statt, in Athen findet die zweite Auflage statt. Allerdings sind die teilnehmenden Künstler in etwa so unbekannt wie die Namen der Athleten im Bogenschießen und Taekwondo. Deutschland vertritt unter anderen der Maler Dieter Mammel, der sich mit eigenen Kindheitsfotos aus den sechziger Jahren beschäftigt. “Wir wählten Werke aus, die etwas über den kulturellen oder politischen Hintergrund des jeweiligen Heimatlandes vermitteln”, so die deutsche Kuratorin Renate Westhoff-Reisch. Sie entwickelte die Idee und organisierte Sponsoren - überwiegend Kulturorganisationen aus China übrigens, wo in vier Jahren die nächsten Spiele stattfinden. “Wir wollen Besuchern die olympischen Nationen durch Kunst zugänglich machen.”

Athen knüpft damit wieder an eine alte Tradition an: Im antiken Griechenland gehörten Sport und Kunst zusammen. Apoll war schließlich Gott der Künste und des Bogenschießens gleichzeitig; während der Olympischen Spiele stellten Künstler ihre Werke aus. Und falls das eine oder andere Stadion 2004 doch nicht rechtzeitig fertig wird, hat die Stadt ein vernünftiges Alternativprogramm zu bieten.

ANKE DÖRRZAPF

Termin: “Monument to now” bis 31. Dezember. Ort: Deste Foundation, Omiroustraße 8, und bei Deste-Nea Ionia, E. Pappa-und-Filellinon-Straße. Katalog: 41,60 Euro, gebunden 70,55 Euro. Internet: www.monument-to-now.gr Termin: Artiade 12. August bis 25. September. Ort: u. a. Gazi-Kulturzentrum, Petroralistraße 33 (Malerei und Skulpturen); Artiade Exhibition Hall, Petroralistraße 33 (Installationen, Sonderausstellung China); Skulpturen-Park, Chomatianoustraße. Katalog: 65 Euro. Internet: www.artiade.com

Bild(er):

Bild: Chaos am Athener Flughafen? Detail aus Franz Ackermanns Installation “Boarding” aus dem Jahr 2002 (280 x 540 cm)

Bild: Das Sicherheitspersonal steht Kopf: Maurizio Cattelans Installation “Frank und Jamie” (2002)

Comments are closed.

Categories